Wer schon einmal im Sommer durch das Reusstal gefahren ist, kennt das Bild: Wimpelketten über der Dorfstrasse, der Geruch von gegrilltem Fleisch in der Luft, Stimmengewirr und Livemusik, die man noch zwei Kurven weiter hört. Das Zufikerfäscht gehört zu jenen Anlässen, die fest im Kalender der Region verankert sind. Kein Volksfest im überregionalen Sinne, kein Stadtfest mit Corporate Sponsoring. Sondern ein Dorffest, das von der Gemeinde Zufikon und ihren Vereinen getragen wird und genau dadurch seinen Charakter behält.
Was das Zufikerfäscht ist und woher es kommt
Zufikon liegt im Bezirk Bremgarten im Kanton Aargau, unmittelbar an der Reuss. Die Gemeinde zählt rund 2.400 Einwohner und ist Teil der Regio Bremgarten, einer der am stärksten wachsenden Wohnregionen der Deutschschweiz. Das Zufikerfäscht hat seinen Ursprung in den klassischen Vereinsanlässen, wie sie in der Deutschschweiz verbreitet sind: Turnverein, Musikgesellschaft oder Feuerwehr organisieren gemeinsam ein Fest, das der Dorfgemeinschaft als Treffpunkt dient.
Im Laufe der Jahrzehnte hat sich das Fest gewandelt. Aus einem reinen Vereinsanlass ist ein mehrtägiges Programm geworden, das Familien, Jugendliche und ältere Semester gleichermassen anspricht. Der Festplatz liegt typischerweise zentral im Dorf, sodass kurze Wege das Kommen und Gehen erleichtern. Parkplätze sind begrenzt, was viele dazu bringt, aus den umliegenden Gemeinden zu Fuss oder mit dem Velo anzureisen.
Programm und Ablauf über mehrere Tage
Das Zufikerfäscht erstreckt sich in der Regel über ein langes Wochenende, meist von Freitagabend bis Sonntagabend. Der Freitagabend ist traditionell der Eröffnungsabend für Erwachsene, mit einer Band, die tanzbare Musik spielt. Samstag und Sonntag sind familiärer ausgerichtet: Nachmittagsprogramm für Kinder, Festwirtschaft mit Bratwurst, Älplermagronen und Bier vom Fass, dazu Tombola und allenfalls ein Umzug oder eine Darbietung der örtlichen Musikgesellschaft.
- Freitagabend: Eröffnung mit Liveband, Barbetrieb bis in die Nacht
- Samstagnachmittag: Kinderprogramm, Spiele, Festwirtschaft
- Samstagabend: Hauptprogramm mit Musik und Unterhaltung
- Sonntagmittag: Mittagstisch, ruhigerer Ausklang, oft mit Blasmusik
Die Zahlen, die hinter einem solchen Anlass stehen, sind beachtlich. Rund 80 bis 120 freiwillige Helfer sind an einem solchen Wochenende im Einsatz, vom Aufbau der Zelte bis zum Abbau am Montag. Der Festwirt und die beteiligten Vereine koordinieren Hunderte Kilogramm Lebensmittel, Getränkelieferungen und die technische Infrastruktur. Der Erlös fliesst direkt in die Vereinskassen und finanziert so Jugendarbeit, Instrumentenkauf oder Ausrüstung.
Die Gemeinde Zufikon als Wohnort
Ein Fest wie das Zufikerfäscht wirft auch ein Licht auf den Ort selbst. Zufikon ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Die Bauzonenerweiterungen und mehrere Überbauungsprojekte haben die Einwohnerzahl seit 2010 um rund 30 Prozent erhöht. Gleichzeitig hat die Gemeinde ihre Infrastruktur ausgebaut: Schule, Kindergarten und die Anbindung an den öffentlichen Verkehr wurden verbessert. Die S-Bahn-Linie nach Zürich ist von Bremgarten aus erreichbar, was Zufikon für Pendler attraktiv macht. Wer in Zufikon wohnen möchte, findet hier Hilfe beim Suchen einer passenden Immobilie in der Region.
Das erklärt auch, warum das Zufikerfäscht nicht nur alteingesessene Familien anzieht. Zugezogene Neubürger nutzen das Fest als niederschwelligen Einstieg ins Dorfleben. Man kommt mit Nachbarn ins Gespräch, lernt die Vereinslandschaft kennen und findet heraus, was in der Gemeinde läuft. Das klingt banal, ist aber ein echter sozialer Mechanismus, den Dörfer mit aktiver Vereinskultur noch funktionsfähig halten.
Vereine als tragende Struktur
Ohne Vereine kein Fest. Das gilt für Zufikon wie für Hunderte andere Schweizer Gemeinden. Die Musikgesellschaft Zufikon, der Turnverein und die Freiwillige Feuerwehr sind typischerweise die Hauptträger solcher Anlässe. Dazu kommen kleinere Gruppen wie der Elternverein, die Landfrauen oder Jugendverbände, die Teilaufgaben übernehmen.
Was auffällt: Der Nachwuchs in diesen Vereinen ist das zentrale Thema. In vielen Deutschschweizer Dörfern beklagen die Vereine stagnierende oder sinkende Mitgliederzahlen. Das Fest ist damit auch Werbung in eigener Sache. Wer an einem Festabend Mitglieder eines Vereins bei der Arbeit sieht und das Gemeinschaftsgefühl erlebt, ist eher bereit, selbst mitzumachen. Einige Gemeinden berichten, dass die Mitgliederzahlen in den Monaten nach einem gelungenen Dorffest spürbar steigen.
Wetter, Logistik und das Risiko dahinter
Ein Dorffest ist immer auch ein finanzielles Risiko. Die Kosten für Zeltmiete, Strom, Beschallung, Genehmigungen und Lebensmittel liegen schnell bei 20.000 bis 40.000 Franken, je nach Grösse und Programm. Schlechtes Wetter kann die Besucherzahlen halbieren und das Jahresergebnis eines Vereins empfindlich treffen. Veranstalter, die seit Jahren dabei sind, berichten, dass ein verregneter Festsamstag den Reingewinn auf null drücken kann.
Manche Gemeinden sichern sich über einen Festfonds ab, in den in guten Jahren eingezahlt wird. Andere setzen auf Sponsoring aus der lokalen Wirtschaft: Garage, Bäckerei, Architekturbüro. Diese Unterstützung ist selten gross, aber sie verteilt das Risiko. Und sie verankert das Fest noch stärker in der Dorfwirtschaft.
Was bleibt nach dem Fest
Das Zufikerfäscht ist kein Massenspektakel und will es auch nicht sein. Es ist ein Abbild der Gemeinde, die es ausrichtet: überschaubar, bodenständig, verlässlich. Die Leute, die den Grillstand betreiben, wohnen drei Strassen weiter. Die Band auf der Bühne hat vielleicht schon beim letzten Fest gespielt. Das ist keine Schwäche. Es ist genau das, was solche Anlässe von austauschbaren Events unterscheidet.
Für Zufikon bedeutet das Fest auch eine Art Selbstvergewisserung. Man sieht, wie viele Menschen tatsächlich mitanpacken, wie viele kommen, wie lebendig das Dorfleben ist. In einer Zeit, in der viele Gemeinden über Identität und Zusammenhalt diskutieren, liefert ein gut organisiertes Dorffest mehr Antworten als jede Gemeinderatssitzung.










