Rund 28 Cent pro Kilowattstunde zahlen deutsche Durchschnittshaushalte derzeit für Strom, je nach Region und Vertrag auch deutlich mehr. Das Statistische Bundesamt hat zuletzt bestätigt, dass Energie ein wachsender Posten in den privaten Haushaltsbudgets bleibt. Für eine Familie mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden bedeutet das schnell eine Rechnung jenseits der 1.100 Euro pro Jahr, und das nur für den Strom. Wer seit mehr als zwei Jahren beim selben Anbieter ist und nie aktiv in seinen Tarif geschaut hat, zahlt mit hoher Wahrscheinlichkeit zu viel.
Warum der Altvertrag zur Kostenfalle wird
Die Grundversorgung ist der teuerste Weg, Strom zu beziehen. Trotzdem landen viele Verbraucher automatisch dort: beim Umzug, nach der Insolvenz eines Billiganbieters oder schlicht durch Untätigkeit. Grundversorger sind gesetzlich verpflichtet, jeden Haushalt zu beliefern, müssen dabei aber keine günstigen Konditionen anbieten. Das Ergebnis: Grundversorgungstarife liegen oft 20 bis 40 Prozent über den günstigsten Wechseltarifen am Markt.
Hinzu kommt, dass viele Sonderverträge nach dem ersten Jahr teurer werden, weil Preisgarantien auslaufen. Wer das übersieht, rutscht still in einen teureren Tarif. Anbieter sind zwar verpflichtet, Preiserhöhungen anzukündigen, doch diese Mitteilungen gehen im Briefkasten oft unter. Wer dann nicht reagiert, zahlt den neuen, höheren Preis kommentarlos weiter.
Kündigung: Fristen und Rechte kennen
Der erste Schritt aus einem teuren Vertrag ist die Kündigung. Dabei gelten unterschiedliche Fristen, je nachdem, welche Vertragsart vorliegt. Bei der Grundversorgung reicht eine zweiwöchige Kündigungsfrist, Sonderverträge haben dagegen oft Laufzeiten von zwölf Monaten mit einer Kündigungsfrist von sechs Wochen zum Vertragsende. Wer das verpasst, steckt automatisch ein weiteres Jahr drin.
Es lohnt sich, den aktuellen Vertrag genau zu lesen und die Kündigungsfrist im Kalender einzutragen. Wer seinen Stromvertrag kündigen will, sollte das immer schriftlich per Einschreiben tun und sich die Kündigung bestätigen lassen. Ein neuer Anbieter übernimmt die Kündigung in vielen Fällen automatisch, was den Prozess erheblich vereinfacht.
Was beim Wechsel wirklich zu beachten ist
Nicht jeder günstige Tarif ist auch ein guter Tarif. Die wichtigsten Kriterien beim Vergleich:
- Preisgarantie: Wie lange gilt der Preis? Alles unter zwölf Monaten ist riskant.
- Laufzeit: Einjahreslaufzeiten sind akzeptabel, alles darüber bindet zu lange.
- Vorauskasse: Manche Billiganbieter verlangen Abschläge weit im Voraus. Das ist ein Warnsignal.
- Anbieterprofil: Wie lange ist der Anbieter am Markt? Gibt es seriöse Kundenbewertungen?
- Ökostromnachweis: Wer auf Herkunftsnachweise setzt, sollte nach dem EEG-konformen Grünstrom fragen.
Besonders beim Thema Ökostrom ist Vorsicht geboten. Nicht jedes „Grün“-Label bedeutet dasselbe. Die Umweltbundesamt-Seite liefert dazu verlässliche Hintergrundinformationen zu Herkunftsnachweisen und zur Frage, was Ökostrom im deutschen Markt tatsächlich bedeutet.
Was der Wechsel bringen kann
Konkrete Zahlen helfen mehr als abstrakte Versprechen. Wer als Zwei-Personen-Haushalt mit 2.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch vom Grundversorgungstarif zu einem Wechseltarif wechselt, spart je nach Region zwischen 150 und 350 Euro im Jahr. Bei einer vierköpfigen Familie mit 4.500 Kilowattstunden sind 400 bis 600 Euro Ersparnis jährlich realistisch. Das sind keine Extrembeispiele, sondern Werte, die sich aus den Preisunterschieden zwischen Grundversorgung und günstigsten Sonderverträgen ergeben.
Ein Wechsel dauert in der Regel zwei bis sechs Wochen. Der Strom fließt während des gesamten Prozesses unterbrechungsfrei weiter, das ist gesetzlich garantiert. Verbraucher müssen sich um die Abmeldung beim alten Anbieter nicht selbst kümmern, wenn der neue Anbieter den Wechsel koordiniert, was inzwischen der Standard ist.
Energiekosten strukturell senken
Tarif wechseln ist eine Sofortmaßnahme, aber kein Ersatz für einen langfristigen Blick auf den Verbrauch. Ein Haushalt, der seinen Verbrauch um 500 Kilowattstunden im Jahr senkt, spart bei 30 Cent pro Kilowattstunde 150 Euro zusätzlich, unabhängig vom Tarif. Das gelingt durch konkrete Maßnahmen:
- Stand-by-Geräte vollständig abschalten: Fernseher, Receiver und Spielkonsolen ziehen im Standby bis zu 80 Watt dauerhaft.
- Alte Kühlschränke ersetzen: Ein Gerät der Energieklasse G verbraucht bis zu dreimal so viel wie ein modernes A-Gerät.
- LED statt Halogen: Der Unterschied liegt bei bis zu 80 Prozent weniger Stromverbrauch pro Leuchtmittel.
- Waschmaschine und Spülmaschine bei 40 statt 60 Grad betreiben, das spart je nach Gerät 30 bis 50 Prozent Heizenergie.
Wer tiefer einsteigen will, findet beim Bundesportal bund.de Hinweise auf staatliche Förderprogramme zur energetischen Sanierung und zu Effizienzmaßnahmen im Haushalt, darunter auch aktuelle Informationen zu Bundesförderungen für effiziente Gebäude.
Fazit: Handeln schlägt Abwarten
Der Strommarkt ist liberalisiert, der Wechsel ist einfach und kostenlos. Trotzdem sind Millionen Haushalte noch immer in teuren Grundversorgungstarifen oder veralteten Sonderverträgen gefangen. Die Gründe dafür sind selten inhaltlicher Natur: Meist ist es schlicht der fehlende Impuls, aktiv zu werden. Wer seinen Vertrag einmal im Jahr überprüft, seine Fristen kennt und bei einem besseren Angebot auch wirklich wechselt, kann über die Jahre mehrere tausend Euro sparen.
Der Aufwand ist überschaubar: Verbrauch aus der letzten Jahresrechnung notieren, Angebote vergleichen, kündigen, neuen Vertrag abschließen. Das lässt sich an einem Nachmittag erledigen. Die Frage ist nicht, ob sich das lohnt, sondern warum so viele Haushalte noch immer warten.












