Der Ausbildungsmarkt verändert sich schneller als viele erwarten. Während einige Berufe seit Jahrzehnten die Ranglisten anführen, drängen neue Qualifikationsprofile nach oben. Wer sich 2025 für eine Ausbildung bewirbt, die 2026 beginnt, sollte die aktuellen Zahlen kennen und wissen, was Betriebe tatsächlich erwarten.
Warum der Ausbildungsmarkt 2026 anders tickt
Der demografische Wandel trifft Betriebe und Bewerber gleichermaßen. Laut Statistisches Bundesamt sinkt die Zahl der Schulabgänger in mehreren Bundesländern seit Jahren, während gleichzeitig Betriebe mehr Ausbildungsplätze anbieten als je zuvor. 2024 kamen rechnerisch auf 100 Bewerber rund 106 offene Stellen. Das bedeutet für Schulabgänger eine günstige Verhandlungsposition, aber keineswegs einen Freifahrtschein: Wer sich schlecht vorbereitet oder Berufe wählt, die nicht zu seinen Stärken passen, verlässt die Ausbildung oft vorzeitig.
Gleichzeitig verändert die Digitalisierung Anforderungsprofile. Ein Kfz-Mechatroniker programmiert heute Steuergeräte, ein Kaufmann im Einzelhandel analysiert Lagerbestände mit Warenwirtschaftssystemen. Handwerkliche oder kaufmännische Grundkenntnis allein reicht nicht mehr.
Die fünf Berufe mit den meisten Neuverträgen
Spitzenreiter nach Anzahl neuer Ausbildungsverträge sind seit mehreren Jahren Kaufleute im E-Commerce, Kfz-Mechatroniker, Kaufleute für Büromanagement, medizinische Fachangestellte sowie Verkäufer und Kaufleute im Einzelhandel. Eine kompakte Übersicht, welche Qualifikationen und Gehälter in diesen Berufen realistisch sind, bietet der aktuelle Ratgeber zu den beliebteste Ausbildungsberufe 2026, der konkrete Einstiegsgehälter und Anforderungsprofile zusammenfasst.
Besonders auffällig: Der Beruf Kaufmann bzw. Kauffrau im E-Commerce, der erst 2018 eingeführt wurde, hat sich innerhalb weniger Jahre in die Top Ten vorgearbeitet. 2024 wurden bundesweit knapp 16.000 neue Verträge in diesem Berufsfeld abgeschlossen.
Was Betriebe wirklich erwarten
Viele Ausbildungsbetriebe klagen über mangelnde Ausbildungsreife, meinen damit aber selten fehlende Schulnoten. Konkret bemängeln Betriebe laut Umfragen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages vor allem:
- Unzuverlässigkeit und Fehlzeiten in der Probezeit
- Schwächen im schriftlichen Ausdruck
- Fehlende Grundkenntnisse in Mathematik, insbesondere Prozent- und Dreisatzrechnung
- Mangelnde Kommunikationsfähigkeit im direkten Kundenkontakt
- Unkenntnis über den Ausbildungsbetrieb bei der Bewerbung
Wer diese Punkte ernst nimmt und gezielt an ihnen arbeitet, hat auch mit einem mittelmäßigen Schulabschluss gute Chancen. Mehrere Studien zeigen, dass die Übernahmequote nach der Ausbildung weniger mit der Abiturnote als mit der Leistung im Betrieb korreliert.
Pflegeberufe: Hoher Bedarf, aber anspruchsvolle Ausbildung
Pflegefachfrau und Pflegefachmann gehören zu den Berufen mit der höchsten Nachfrage seitens der Betriebe, aber auch zu denen mit den meisten vorzeitigen Vertragslösungen. Die Ausbildung dauert drei Jahre, ist seit 2020 generalistisch geregelt und umfasst stationäre, ambulante und pädiatrische Einsätze. Wer hier einsteigt, sollte sich über die physischen und psychischen Anforderungen im Klaren sein.
Das Ausbildungsgehalt liegt je nach Träger zwischen 1.100 und 1.400 Euro im ersten Lehrjahr, steigt aber nach der Prüfung deutlich. Tarifgebundene Einrichtungen zahlen examinierten Pflegefachkräften heute Einstiegsgehälter zwischen 2.800 und 3.400 Euro brutto. Informationen zur rechtlichen Grundlage der Pflegeausbildung finden sich im Pflegeberufegesetz auf gesetze-im-internet.de, das seit 2020 die Ausbildung bundeseinheitlich regelt.
Kfz-Mechatroniker: Klassiker mit Zukunft
Kein Beruf steht so symbolisch für den Wandel wie der Kfz-Mechatroniker. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre, schließt aber bereits Hochvoltqualifikation für Elektro- und Hybridfahrzeuge ein. Wer 2026 ins erste Lehrjahr startet, wird bis zu seiner Gesellenprüfung mehr Stunden an Diagnoserechnern verbringen als an klassischen Verbrennungsmotoren.
Die Nachfrage nach Fachkräften in diesem Bereich bleibt hoch, weil der Fahrzeugbestand in Deutschland trotz Elektromobilität nicht schrumpft. Gleichzeitig verlassen viele ältere Fachkräfte die Branche. Bewerber sollten technisches Verständnis mitbringen, aber auch bereit sein, regelmäßig an Herstellerschulungen teilzunehmen, die über die eigentliche Ausbildung hinausgehen.
Kaufleute im Büromanagement: Unterschätztes Potenzial
Dieser Beruf gilt bei vielen Jugendlichen als Verlegenheitswahl, bietet aber überraschend breite Anschlussmöglichkeiten. Die dreijährige Ausbildung vermittelt Grundlagen in Buchführung, Personalverwaltung, Bürokommunikation und Projektkoordination. Wer anschließend einen Schwerpunkt wählt, kann sich schnell auf Gehaltsebenen vorarbeiten, die viele Bachelor-Absolventen nicht erreichen.
Besonders gefragt sind Kaufleute im Büromanagement in mittelständischen Unternehmen, die keine eigene HR-Abteilung haben und vielseitig einsetzbare Fachkräfte suchen. Das Ausbildungsgehalt liegt im Schnitt zwischen 750 und 1.050 Euro, das Einstiegsgehalt nach der Prüfung bei 2.100 bis 2.600 Euro brutto, je nach Branche und Region.
Worauf Bewerber 2026 achten sollten
Die Bewerbungsphase für Ausbildungsplätze, die im Herbst 2026 beginnen, startet faktisch im Herbst 2025. Betriebe mit eigenen Eignungstests laden früh ein, und viele Stellen sind bis Jahresende vergeben. Wer zu spät bewirbt, findet zwar noch offene Plätze, aber oft nicht in seinen Wunschberufen oder Wunschregionen.
Praktika während der Schulzeit sind kein Nice-to-have, sondern zunehmend Voraussetzung. Betriebe bevorzugen Bewerber, die bereits ein Schnupperpraktikum absolviert haben, weil die Abbruchquoten bei diesen Kandidaten nachweislich niedriger sind. Die Bundesinstitut für Berufsbildung veröffentlicht jährlich aktuelle Daten zu Vertragsabschlüssen, Abbruchquoten und regionalen Unterschieden, die für eine fundierte Berufswahl nützlich sind.
Am Ende bleibt der wichtigste Ratschlag der schlichteste: Den Beruf wählen, der zu den eigenen Stärken passt, nicht den, den Freunde oder Eltern empfehlen. Wer mit Überzeugung in die Ausbildung startet, hat die besten Voraussetzungen, sie auch erfolgreich abzuschließen.











